Wenn ihr wissen möchtet, wo und vor allem wie die Post einst bei uns abging, wenn ihr euren Fokus mal von hoch oben vom gelben Wagen aus auf historische Zustellfahrzeuge – vom Postmoped bis zum fahrbaren Postamt – lenken wollt, ihr den Wandel vom Telefonhäuschen über Radios und Röhrenfernseher bis zu Smartphones erfahren möchtet, dann gibt es am Sonntag, 17. Mai 2026, ein sehr lohnenswertes Ziel: die Philipp-Reis-Straße 4-8 in Heusenstamm.
Dort bekommt jeder was vor die Linse, wenn die Sammlung der Museen für Kommunikation am Internationalen Museumstag (ICOM Tag) ihre Türen am Depot-Standort öffnet: 375.000 Objekte veranschaulichen den Wandel der Technik. Spannende Führungen und funktionsbereite Geräte bieten Einblick in die vielfältige Geschichte der Kommunikation.
Das Museum für Kommunikation in Frankfurt ist schon ein Highlight unter den vielen Kulturtempeln am Main, aber das Sammlungsdepot in Heusenstamm ist noch mal eine ganz besondere Nummer. Mir gingen im vergangenen Jahr beim Besuch die Augen über. Auf dem Außengelände findet das 18. Internationale Treffen der Sammler historischer Postfahrzeuge statt. Zahlreiche liebevoll restaurierte Postfahrzeuge sind zu bestaunen. Post-Fahrräder, -Roller, -Dreiräder, -Busse und fürstliche -Reichskutschen – überwiegend gehalten im traditionelle Post-Gelb, versteht sich. Nicht nur, dass man sich in die Postkutsche schwingen darf, auch Fahrten im Postamtsbus locken. Dass die Zusteller schon vor hundert Jahren auf elektrifizierte Mobilität setzten, beweisen historische Schnauferl.
Entdeckungstouren werden angeboten, die staunen lassen. In der Sammlung darf historische Technik ausprobiert werden: Fernschreiber, Telegramme, Telefonzellen und Münztelefone ermöglichen es, Sprache auf verschiedenen Kanälen zu verschicken. Außerdem gibt es spannende Einblicke in die Funktion von Streaming und IP-Telefonie.
Die Führungen leiten Ex-Postler, die sich in einem Förderverein dem Erhalt ihres Wissens und dem Museum verschrieben haben. Strippenzieher lassen die Welt des „Fräuleins vom Amt“ auferstehen. Zudem gibt die Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte einen Einblick in die Vereinsarbeit rund um die Kommunikationsgeschichte.
Geführt wird durch lange Regalgänge voll mit alten Grammophonen, High Fidelity Raritäten aus den Designschmieden von Braun oder Dual, zu sehen ist der erste Videorekorder der Welt, so groß wie zwei Gefrierkombinationen und einst in Besitz von Dieter Thomas Heck.
Die überdimensionale Schatzkiste ist nur einmal im Jahr für Publikum geöffnet. Der TTC Heusenstamm sorgt für Essen und Trinken. Und der Eintritt für den ganzen Spaß ist kostenfrei.
Thomas Meier